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Bericht des Remscheider Generalanzeiger vom 2.7.2011

Die Energie der Zukunft

Von Frank Michalczak

Das Radevormwalder Unternehmer Netzwerk (RUN) traf sich am Donnerstagabend zum 24. Mal - und das an einem historischen Ort, der mit seiner Wasserturbine als Wiege der Stromgewinnung in unserer Region gilt. 50 Firmenchefs, Geschäftsführer und sonstige Interessierte kamen ins Museum der alten Tuchfabrik Wülfing, um Fachvorträge zum Thema "Energie-Effienz als Beitrag zur Energiewende" zu hören.

Zu Gast waren als Referenten Oliver Wagner vom "Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH" mit Sitz in Wuppertal und der Lüdenscheider Unternehmer Jan Schriever, der vorstellte, wie er in seinem Betrieb ganz praktisch Energie spart.

Es war ein Info-Abend, bei dem die Teilnehmer jede Menge Fakten, Zahlen und Prognosen rund um die Energiewende hörten - und von Stadtwerke-Chef August Kuhl begrüßt wurden. Der Geschäftsführer erinnerte daran, dass das Treffen auf einen ganz besonderen Tag fiel und stellte dabei einen aktuellen Bezug her: "Heute hat der Bundestag den Ausstieg aus der Atomenenergie beschlossen."

Bereits jetzt seien sieben Kernkraftwerke vom Netz genommen worden. "Und man sieht, dass es funktioniert. Allerdings werden wir nicht umhinkommen, Strom zu importieren." Zunehmende Bedeutung werden die erneuerbaren Energien gewinnen. Bereits jetzt stammten 14 Prozent des Stroms in Radevormwald aus Wind- und Wasserkraft - und damit liege unsere Stadt deutlich über dem Schnitt in Nordrhein-Westfalen, der bei acht Prozent liegt.

Dass das kleine Deutschland und die große Welt langfristig gar nicht umhin komme, auf Öko-Energie zu setzen - hob Oliver Wagner vom Wuppertal-Institut hervor. Zum einen seien die Vorräte an Rohstoffen wie Kohle und Erdöl begrenzt ("Der Spuk ist irgendwann vorbei"). Zum anderen gelte es bereits kurzfristig, dem Klimawandel zu begegnen, indem auf Wind- und Solar-Energie gesetzt wird.

Und gerade Windparks könnten für Kommunen durchaus interessant sein. Wenn die Städte ihre Waldstücke an die Betreiber verpachten, komme Geld in die Kasse. "Die Bereitschaft ist sicherlich auch deswegen höher als noch vor einigen Jahren."

Die Förderung neuer Energieformen ist die eine Seite, die andere Seite ist das konsequente Sparen. Wärmedämmung an Altbauten, moderne Heizsysteme, neue Fenster - für all das gebe es "interessante Fördermittel". Und auch im Alltag könne gespart werden: Allein durch den deutschlandweiten Verzicht auf "Standby"-Funktionen an Elektrogeräten lasse sich der Stromverbrauch der Großstadt Berlin erzielen.

"Und warum gibt es eigentlich Kaffeemaschinen mit Uhrzeitangaben? Völlig unsinnig."

Den Bezug zum Wirtschaftsleben stellte der Lüdenscheider Unternehmer Jan Schriever her, der mit einer Vielzahl von Öko-Maßnahmen die Energie-Effizienz verbessert hat.

Der Schraubenhersteller setzt in seinem Betrieb auf Erdwärme, auf Tageslichtnutzung und Wärmerückgewinnung und konnte durch das Maßnahmenbündel beträchtliche Einsparungen erzielen. Sparkassen-Sprecher Michael Scholz, der zum RUN-Team zählt, blieb aber vor allem eine Aussage von ihm im Gedächtnis. "Nicht jede Energie-Maßnahme rechnet sich, aber sie sollte Spaß machen."