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Bericht des Remscheider Generalanzeiger vom 06.02.2010

Rader Unternehmer-Netzwerk zum Thema "Vererben"

Von Lea Dommel

Was haben Picasso, James Dean und Abraham Lincoln gemeinsam? Sie alle starben, ohne ein Testament hinterlassen zu haben. Picasso, weil er zu abergläubisch war und seinen eigenen Tod fürchtete; James Dean, weil er sich zu jung zum Sterben fühlte; und Abraham Lincoln, weil er selbst Anwalt war und seine eigenen Angelegenheiten verschleppte.

Bei Picasso und Lincoln hatte das jahrelange Erbstreitigkeiten zufolge; James Deans Vermögen ging automatisch an seinen verhassten Vater über.Die drei Persönlichkeiten sind kein Einzelfall: "Das Thema Vererben wird oft verdrängt und ist negativ besetzt, weil es mit Testament und Tod zu tun hat", mit diesen Worten leitete Klaus Lüttgenau vom Radevormwalder Unternehmer Netzwerk RUN am Donnerstagabend die 19. Veranstaltung der Netzwerker ein. An diesem Abend hatten die verantwortlichen Organisatoren in die ehemalige Landessportschule, heute Sport und Seminarcenter, geladen.

Und die Netzwerker kamen scharenweise: Bis auf den letzten Platz war der Veranstaltungsraum an der Jahnstraße besetzt. Man wollte aufklären über rechtliche und zwischenmenschliche Aspekte beim Vererben von Unternehmen. Mit Notarin Dr. Britta Spitzbart aus Radevormwald und Unternehmensberater Jochen Schauer aus Schleswig-Holstein konnte RUN dazu hochkarätige Dozenten präsentieren.

Britta Spitzbart dozierte im ersten Teil der Veranstaltung über erbrechtliche Schwierigkeiten, die auftreten können. Sie differenzierte dabei zwischen den verschiedenen Unternehmenstypen und Gesellschaften und den damit einhergehenden Aspekten, die es zu beachten gibt. Auch die verschiedenen Erbfälle sparte sie nicht aus: Ob der Ehegatte, die Kinder, ein Mitarbeiter oder die eigenen Eltern die Firma im Todesfall des Unternehmers übernehmen - zu jedem Fall hatte Britta Spitzbart ein Beispiel und die rechtlichen Gesichtspunkte parat. Aber auch über eine Firmenübergabe an Angehörige zu Lebzeiten sprach die Rader Notarin.

An dieses Thema schloss dann auch der Vortrag von Jochen Schauer an. Er referierte an diesem Abend über die menschliche Seite dieser Übernahmen. "Es braucht im Schnitt fünf Jahre, bis sich der Firmennachfolger eingearbeitet hat." Aber meist haben die Kinder der Unternehmenslenker keine Gelegenheit sich zu beweisen. "Einige Unternehmer sprechen ihrem Nachwuchs schlichtweg die Kompetenz ab. Auch wenn es gar nicht so ist."

Viele Besitzer können schlecht loslassen und die Geschäfte an einen Nachfolger übergeben. "Vielfach fließen dann die Tränen bei allen Beteiligten. Diese Trauer wird total verkannt", weiß Unternehmensberater Schauer zu berichten. Für Ute Lewandowski vom Radevormwalder Bauunternehmen Lewandowski scheinen sich diese Probleme nicht zu stellen. Sie und ihr Mann sind bereits seit einigen Jahren dabei einen Nachfolger, ihren Sohn, in die Firmengeschicke einzuweisen. "Man soll auch loslassen können", sagt Ute Lewandowski und unterstreicht damit Jochen Schauers Worte.