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Bericht der Bergischen Morgenpost vom 6.6.2009

Alkohol ist Chefsache

VON NORBERT BANGERT

Zur Diskussion über ein Tabuthema hatte die Initiative RUN ins Curt-von-Knobelsdorff-Haus eingeladen. Wie sollen Firmenchefs mit Alkohol am Arbeitsplatz umgehen?
Die Antwort: reden und notfalls konsequent handeln.

Machten sich für das Reden über ein Tabuthema stark: Klaus Lüttgenau (v.l.), Albrecht Aupperle, Dr. Matthias Brecklinghaus, Michael Scholz, Monika Larsen und Petra Kampmann. BM-Foto: nico hertgen

Die Anzahl der Suchtkranken in Deutschland steigt. Fünf Prozent der Menschen gelten als Alkoholkrank, elf Prozent trinken regelmäßig Alkohol am Arbeitsplatz und 30 Prozent aller Arbeitsunfälle sind auf Alkohol zurückzuführen.

Diese Zahlen waren Anlass genug für die Unternehmerinitiative RUN, dieses für einige Menschen unangenehme Thema zum Gegenstand einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung zu machen. Der Ort war dabei ganz bewusst gewählt: Im Curt-von-Knobelsdorff-Haus begann bereits 1964 die Arbeit mit Alkoholkranken. Heute stehen insgesamt 52 Behandlungsplätze zur Verfügung. Mit der Firma Klaus Kuhn Edelstahlgießerei konnte vor Ort zudem ein wichtiger Partner und Förderer gewonnen werden.

Appell an die Firmenchefs

Albrecht Aupperle, Geschäftsführer des Instituts iprevent.de und ehemaliger Mitarbeiter des Blauen Kreuzes, machte am Donnerstagabend folgende Rechnung auf: Bei einer Firma mit 200 Mitarbeitern sind durchschnittlich zehn Mitarbeiter krank, weitere zehn sind hochgradig gefährdet. Deshalb appellierte er an die Firmenchefs: "Es macht sich bei Ihnen ein Bauchgefühl bemerkbar, wenn mit Ihrem Mitarbeiter etwas nicht stimmt. Nehmen Sie das ernst." Als Vorgesetzter dürfe man anschließend auch keinesfalls in die "therapeutische Rolle" schlüpfen, sondern müsse sich notfalls abgrenzen, um bei uneinsichtigen Menschen auch Druck machen zu können.

Wichtig sei außerdem, so Aupperle weiter, das in der Firma eine entsprechende Kultur entwickelt wird, was konkret heißt: Die Führungskräfte müssen geschult und die Mitabeiter aufmerksam sein. Sobald sich erste Anzeichen eines Alkoholproblems zeigen, muss gehandelt werden.

Zu Wort kam auch ein Betroffener, und der fand deutliche Worte. Carsten Kunze ist 49 Jahre und Vater von vier Kindern und hat eine typische Trinkerkarriere hinter sich. Seine erste Ehe ist an dem Problem gescheitert. "Jeder Erkrankte ist selbst dafür verantwortlich, nicht wieder mit Alkohol in Berührung zu kommen", machte er deutlich. Erst nach durchschnittlich 13 Jahren kommen die Menschen mit ihrem Problem in eine Einrichtung wie das Curt-von-Knobelsdorff-Haus.

Insgesamt zeigten sich die Organisatoren zufrieden. Allerdings hatten sie sich ein paar mehr Zuhörer gewünscht. "Wir haben nur 50 Anmeldungen, sonst kommen zu unseren Veranstaltungen wesentlich mehr", sagte die Unternehmerin Petra Kampmann. Sie ist Mitglied des fünfköpfigen Organisationsteams. Sie ergänzte: "Es ist vielleicht doch ein Tabuthema, und es gibt Berührungsängste."