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Bericht des Remscheider Generalanzeiger vom 10.10.2009

Dr. Holger Bahr machte Radevormwalder Unternehmern Mut

Von Lea Dommel

Die Wirtschaftskrise ist in aller Munde, das ist auch in Radevormwald nicht anders. Um ein wenig die Stimmung aufzuhellen und auch Faktenwissen statt Sorgen zu verbreiten, hatte das Radevormwalder Unternehmer Netzwerk (RUN) am Donnerstagabend zu einem Vortrag in die Sparkasse eingeladen.


© Fotos: M. Sieber

Referent war Dr. Holger Bahr aus Lüdenscheid, der bei der Frankfurter DekaBank für den Bereich Volkswirtschaft verantwortlich ist.

Der sympathische Bänker sprach an diesem Abend zu dem nicht allzu sympathisch wirkenden Thema "Folgt auf Rezession erst Expansion und dann die große Inflation?" Und wollte vor allem eines: Seinen Zuhörern Mut machen.

Dies war bereits die 18. Veranstaltung der Organisation, in der sich Handelstreibende und Unternehmer der Stadt sammeln und austauschen. Was dabei aufgrund vieler Grafiken und Statistiken in der Präsentation nach trockener Materie anmutete, lockerte Bahr geschickt mit vielen Anekdoten und einer amüsanten Erzählweise auf.

So sprach er viele Themen, die die deutsche Wirtschaft zuletzt bewegt haben an, und blickte ebenso historisch zurück: "Während der Weltwirtschaftskrise vor dem Zweiten Weltkrieg gab es keine Zins- oder Steuersenkungen."
Aus der schweren Krise vor dem Zweiten Weltkrieg gelernt Das Geld sei viel mehr aus den Märkten abgezogen worden, was ein jahrelanges Brachliegen der damaligen Wirtschaft hervorrief. "Aber wir haben daraus gelernt und nun alles anders gemacht." So bezeichnete er die Konjunkturprogramme und die hohe Staatsverschuldung als dringend notwendig. "Zwar müssen wir in den kommenden Jahren noch Belastungen schultern, aber der freie Fall ist gestoppt!"

Auch die Abwrackpräme, die Deutschland zwar nicht erfunden habe, sich aufgrund des großen Erfolgs aber als "Exportschlager" erwies, trug dazu bei. "Ich hätte zwar lieber mein zehn Jahre altes Waschbecken abgewrackt, aber leider war die Porzellan-Lobby nicht stark genug", kommentierte der Volkswirtschaftler trocken.

Auch das heikle Thema Inflation, mit dem stets viele Ängste geschürt werden, sparte Holger Bahr nicht aus. Allerdings betrachtete er die Problematik eher sachlich. "Klar bieten niedrige Zinsen einer Inflation einen hervorragenden Nährboden." Er sehe aber den Euro eher als Ausdruck von Stabilität. Bahr glaubt, dass mit einem moderaten Wirtschaftswachstum auch nur eine moderate Inflation einhergehen würde.

Am Ende des Vortrags gab er noch einen kleinen Ausblick. "Rezessionen bergen meist eine starke Innovationskraft", so Bahr und verwies auf "Ebook", das "Projekt Desertec" und das Elektroauto - all das seien Innovationen, die derzeit in den Startlöchern bei der Industrie stehen.

Auch das Handy sei aus einer Rezession heraus entstanden: "Und wer hätte damals gedacht, dass es in Italien heute mehr Handys als Einwohner gibt!" Die Zukunft malte Holger Bahr in seinem Resumee somit zwar nicht rosarot, aber auch nicht allzu trist.

Auch Joachim Harbarth, der an diesem Abend das erste Mal eine RUN-Veranstaltung besuchte, war zufrieden: "Der Vortrag hat auf jeden Fall zum Nachdenken angeregt und auch ein bisschen beruhigt."